„Befreiung hat in unserer Gesellschaft etwas mit Zerstörung zu tun. Zerstörung der Strukturen, die uns an die Frauenrolle ketten wollen.“ Die Rote Zora als Projektionsfläche feministischer Militanz
Die Rolle von Frauen in radikalen politischen Bewegungen wird gesellschaftlich selten betrachtet: Mal gelten sie als ausgenutzte Opfer, mal werden sie in schrillen Farben als psychisch kranke Ausnahmeerscheinungen skizziert. Dies gilt auch – oder vielleicht: gerade – im Themenfeld des Linksradikalismus, wo Figuren wie die RAF-Führungsperson Ulrike Meinhof oder jüngst die Prozesse von Daniele Klette oder Lina E. diese Diskurstendenzen eindrücklich unterstreichen.
Doch welche Rolle spielen Frauen, Weiblichkeit und Feminismus innerhalb linksradikaler und militanter Gruppierungen tatsächlich? Am Beispiel der Roten Zora lassen sich historische und gegenwärtige Entwicklungstendenzen gleichermaßen aufzeigen. Der Artikel untersucht, wie die linksterroristische Gruppe diskursiv versuchte, eine spezifisch weibliche Form von Militanz zu konstruieren. Der Vergleich der internationalen Rezeption ihres Wirkens in Wort und Tat zeigt zudem, dass die Rote Zora heute mehr ist, als ursprünglich von ihr intendiert: Nachdem die überwiegende Mehrzahl der linksradikalen Gruppen den Sonderweg des Terrorismus verlassen hat, dient sie heute vielmehr als Projektionsfläche eines heterogenen Protestspektrums. Ihr Ausdruck der weiblichen Militanz wird heute von einer Form des alltäglichen und lebenspraktischen Kampfes getragen.
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Zitation: Heise, Katharina and Scharf, Philipp. „Befreiung hat in unserer Gesellschaft etwas mit Zerstörung zu tun. Zerstörung der Strukturen, die uns an die Frauenrolle ketten wollen.“ Die Rote Zora als Projektionsfläche feministischer Militanz. Extremistinnen und Terroristinnen: Rollen, Funktionen und Bedeutung von Frauen in Extremismus und Terrorismus, De Gruyter, 2026, pp. 205-220. https://doi.org/10.1515/9783112206041-015